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#E3 - Nicole Girard-Mangin, von Aurelie Youlia - DE

„Ich bitte um einen Mann und man schickt mir eine Frau.“

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Season 1, episode 23
4 min / Published

Nicole Girard-Mangin

„Ich bitte um einen Mann und man schickt mir eine Frau.“

Es ist soweit, es steht unmittelbar bevor. Nach Angaben des Oberkommandos planen die Deutschen einen groß angelegten Angriff auf Verdun. Der Gesundheitsdienst des Sektors muss schnellstens die Verwundeten und Kranken aus der Stadt evakuieren. Die Aufgabe ist enorm und das schlechte Wetter verzögert die Evakuierung erheblich. In all diesem Trubel gibt es eine 37-jährige Frau namens Nicole Girard-Mangin, die einen kühlen Kopf bewahrt.

Sie wurde 1878 in Paris geboren und kannte die Maas bereits, da sie ihre Jugend in Véry verbracht hatte. Im Alter von 18 Jahren entschied sie sich für die Medizin und begann ein Studium in Paris. Kurz darauf heiratete sie jedoch den Weinbauern André Girard und verzichtete fortan auf ihr Studium, um an seiner Seite zu arbeiten. Ein Herzschmerz ... der nur von kurzer Dauer sein sollte. Nach ihrer Scheidung kehrte sie 1903 auf die Schulbank zurück und studierte Medizin. Am Vorabend des Krieges arbeitete sie in einer Tuberkuloseklinik des Beaujon-Krankenhauses in Paris, wo sie über Tuberkulose und Krebs forschte. 

Nicole Girard-Mangin ist eine moderne, engagierte Frau, die sich leidenschaftlich für ihren Beruf einsetzt. Doch trotz dieser unbestreitbaren Erfahrung muss sie gegen die Vorurteile ihrer Zeit kämpfen. und sich zahlreichen Herausforderungen und sogar Ungerechtigkeiten stellen. Im Jahr 1914 wurde sie aufgrund eines Verwaltungsfehlers im Kriegsministerium als Militärärztin mobilisiert. Die Armee dachte, sie hätte es mit der Ärztin "Gérard Mangin" zu tun. 

Die Situation ist neu ... Eine Frau als Militärärztin in Verdun!  

Sie wird in einem damals ruhigen Gebiet eingesetzt: Verdun. Doch an der Front wird sie im September 1914 eiskalt empfangen: „Ich bitte um einen Mann und man schickt mir eine Frau.“

Der Ton ist vorgegeben. Nicole ist nicht überrascht über diese Begrüßung. Die Medizin ist nun einmal Männersache …Dennoch kümmert sich die Ärztin, zum Dienstgrad der Hilfsärztin ernannt, bis Februar 1916 entschlossen und engagiert um die Typhus-Kranken im Lazarett Nr. 13 von Glorieux. Ende Februar 1916 sind die Deutschen auf dem Vormarsch, es wird Zeit, das Lazarett zu räumen …

Professionell organisiert Nicole Mangin den Umzug ihrer Abteilung ins Krankenhaus von Bar-le-Duc. Nur eine Handvoll transportunfähiger Kranker bleibt zurück. Nicole weigert sich, sie im Stich zu lassen. 

Der Druck der Schlacht wird immer größer. Massen von Verwundeten strömen in das Krankenhaus von Glorieux. Diese sind von ihren Erfahrungen an der Frontlinie traumatisiert und berichten, was sie gesehen und gehört haben. Nicole Mangin und ihre Kameraden können all diese Informationen nicht überprüfen. Die Panik wächst, zumal das Krankenhaus nach einem Stromausfall nun im Dunkeln liegt. 

Angesichts der intensiven Bombardierung ist die Stellung jedoch unhaltbar und am 25. Februar wird die endgültige Evakuierung des medizinischen Personals beschlossen. An Bord eines Sanitätsfahrzeugs bringt Nicole die letzten Kranken unter Granatenbeschuss nach Froidos in Sicherheit. Trotz einer leichten Verletzung im Gesicht bleibt die Selbstlosigkeit der Ärztin ungebrochen.

Bis November 1916 bleibt sie im Gebiet von Verdun im Dienst. Ihre Dienstberichte und Entschlossenheit bescherten ihr zwar Beförderungen, Auszeichnungen wurden ihr jedoch stets verweigert …

Sie starb frühzeitig im Jahr 1919, wahrscheinlich an den Folgen einer starken Überanstrengung. Sie war 40 Jahre alt. Zusammen mit ihrer Zeitgenossin Marie Curie erschütterte sie das Bild von Frauen in der Medizin und bewies, dass sie genauso effizient und mutig handeln konnten wie Männer.

 

#DestindeVerdun, ein Podcast, geschrieben und produziert vom Team des Mémorial de Verdun : Nicolas Czubak, Quentin Poulet und Charles Poisson

Textadaption für Audio : Delphine Peresan-Roudil und Florence Guionneau-Joie

Sprecher: Aurelie Youlia

Produktion: FGJ/Art Expo - Postproduktion: Plissken Production - Aufnahme: Hope So Production 

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DESTINS DE VERDUN
Des histoires à hauteur d'Hommes plongés dans la grande Histoire
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